Vote2Work im Gespräch: NewWork im Blue Collar Bereich

Im NewWork-Talk mit Jürgen Pfeiler von Corporate Culture Consulting geht es darum, wie New Work im Blue Collar und Deskless Worker Bereich funktionieren kann.

Unsere Gründerin Katrin Pape schildert im Gespräch unsere Vision hierzu und wie im Bereich der flexiblen Personaleinsatzplanung digitale Werkzeuge wie die Work-Tech SaaS-Lösung von Vote2Work Unternehmen dabei unterstützen, Flexibilitätspotenziale zu identifizieren und kollaborativ mit den Mitarbeitenden zu nutzen.

Die beiden nachfolgenden Clips sind Auszüge aus dem NewWork-Talk, das Gespräch in ganzer Länge wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.

 

Transkription

Wer und was ist Vote2Work und wo siehst du den Kontext zu NewWork?

Vielen Dank für die Einladung heute! Ja, was machen wir bei Vote2Work? Im Grunde dreht sich bei uns alles um das Thema „Flexibilisierung der Arbeitswelt“, wobei wir den Schwerpunkt auf den operativen und wertschöpfenden Bereich legen. D.h. tatsächlich konzentrieren wir uns auf die vielen Blue Collar und Deskless Worker die tagtäglich ihren Beitrag im Shopfloor, beim Patienten, im Service leisten. Das Interessante ist, dass trotz Digitalisierung viele Unternehmen nach wie vor in sehr klassischen, hierarchischen Strukturen, und auch starren Strukturen, leben und denken und das ist ein Thema, das möchten wir ganz gerne ändern.

Denn auf der einen Seite benötigen die Unternehmen deutlich mehr Flexibilität, wenn sie den immer kurzfristigeren Bedarfen gerecht werden wollen, wenn sie wettbewerbsfähig sein wollen, denn wir leben in einer hochindividualisierten Welt. Auf der anderen Seite geht natürlich das Thema familienfreundliche, flexible Arbeitszeiten auch durchaus von den Mitarbeitenden aus, so dass man hier natürlich schauen muss, was für Ansätze kann man auf diesem Feld zukünftig realisieren und umsetzen.

Wir sehen, dass die Unternehmen selbst schon durchaus so weit sind, dass sie auch Schritte hier gehen aber in der betrieblichen Praxis fehlt es eben doch an geeigneten Werkzeugen, um so einen Transformationsprozess von zumeist sehr starren, top-down organisierten Planungen hin zu einem bedarfsgerechten, flexiblen Arbeiten und Miteinander zu unterstützen und in dem Zusammenhang auch noch die Mitarbeiterpartizipation in der Weise zu ermöglichen, so dass auch die Mitarbeitenden Einfluss nehmen können auf die Gestaltung ihrer Arbeitszeit für mehr Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Genau da setzen wir mit Vote2Work an, um hier das Leben leichter zu machen.

 

Transkription

Jetzt wird es natürlich auch einige interessieren, wie funktioniert Vote2Work. Natürlich kannst du nicht das gesamte Spektrum erklären, das ist ganz klar. Aber vielleicht kurz abstecken, dass man eine Vorstellung hat. Wie kann man sich das vorstellen, dass das System eingeführt wird und funktioniert?

Vielleicht einfach ein paar Worte dazu, was unsere Lösung – gleichnamige Lösung Vote2Work, grundsätzlich überhaupt ersteinmal ist. Wir haben ein Instrument geschaffen, mit dem es möglich ist, die betrieblichen Notwendigkeiten des Unternehmens mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter zügig und vor allem auch fair in Übereinstimmung zu bringen. Damit geht es zunächst los, das ist der Scope dieses Produktes.

Wie machen wir das? Wir vernetzen dazu im Grunde alle am Planungsprozess Beteiligte über mobile Endgeräte – und zum Planungsprozess Beteiligte gehört auch der „Verplante“ – und binden diese dann über interaktive Workflows in digitale Abstimmungsprozesse ein. Eigentlich etwas völlig Normales, wir stimmen uns alle irgendwo tagtäglich ab. D.h. im Grunde genommen, was wir hier treiben ist kein „Hexenwerk“, sondern ein natürliches Vorgehen. Und, du hast es eben auch schon gesagt, Vote2Work als Instrument ist eine digitale Lösung – dadurch ergibt sich zwangsläufig schon die Transparenz, die es braucht. Auch für die Beschäftigten, da sie jetzt online angebunden sind und sich jederzeit online informieren können, wann sie wo wie arbeiten sollen – sind also jederzeit up-to-date, erfahren jedwede Änderung sofort in Echtzeit.

Das interessante an Vote2Work ist, neben dieser Vernetzung und dem digitalen Abstimmungsprozess, dass wir dieses Thema – Partizipation, Mitbestimmung der Mitarbeitenden bzw. der komplett kollaborative Ansatz, dass der sich komplett durch das ganze Produkt durchzieht. Damit das gut funktioniert, braucht es zusätzlich soetwas wie ein Regelwerk. Das liefert bei uns zum Beispiel den Gestaltungsrahmen, weil bei solchen Planungsszenarien immer auch die Mitarbeiterverfügbarkeiten sehr präzise zu prüfen sind. D.h. wir prüfen über ein Regelwerk die Einsatzfähigkeit nach den gesetzlichen Vorgaben. Wir matchen Qualifikationen, wir matchen aber eben auch die Arbeitszeitwünsche der Beschäftigten auf die jeweils konkreten Bedarfe und das Regelwerk wird dem Planungsverantwortlichen wiederum unterstützen und schlägt den jeweils besten „Fit“ vor.

Und was wir mit Vote2Work auch unterstützen möchten, sind so Themen wie Ausbalancierung der Arbeitsbelastung, insbesondere wenn es zu Mehrarbeit kommt. Hierfür haben wir eine Prioritätensteuerung entwickelt, die dafür sorgt, dass nicht immer die Gleichen die Last tragen und es andere gibt, die sich dann vielleicht auch einmal „ein bisschen wegducken“. Gleiches kann man auch in Bezug auf die gerechtere Verteilung von lukrativen und weniger lukrativen Einsätzen machen. Was natürlich auch ein wesentliches Element ist, damit man ein Stück weit diesen „Nasenfaktor“ rausbekommt und subjektive Entscheidungen mehr durch objektive Entscheidungen ersetzt.

Das ist, was Vote2Work ausmacht. Es ist ein kleines, feines Instrument, das die Unternehmen bei diesem Transformationsprozess unterstützen soll, doch mal deutlich flexibler zu planen, bedarfsgerecht zu planen und dabei auch noch die Mitarbeitenden einzubeziehen.

Die zunehmende Bedeutung der Employee Experience für Deskless Worker

“The great resignation” oder “Die große Kündigungswelle” ist aktuell eines der wichtigsten Themen für viele Unternehmen in den USA. Mehrere Millionen Arbeitnehmer haben im Jahr 2021 ihren Job gekündigt. Und das zum überwältigenden Teil im Bereich Blue Collar und Deskless Worker. Gastronomie, Logistik, Produktion, Einzelhandel – die Liste an betroffenen Branchen ließe sich beliebig verlängern. Immer mehr Beschäftigte auch abseits der „schreibtischgebundenen Angestellten“ stellen hohe Ansprüche an Arbeitgeber und Arbeitsumfeld und stimmen mit den Füßen ab, wenn die Employee Experience für Deskless Worker im Unternehmen mangelhaft ist.

Auch in Deutschland sorgt die anhaltende Corona-Pandemie für große Veränderungen auf einem ohnehin angespannten Arbeitsmarkt. Bereits heute ist das bspw. im Gesundheitssektor spürbar, wo Intensivbetten auch deshalb nicht mehr belegt werden können, da aufgrund von Kündigungswellen weniger Intensivpflegekräfte als noch im Jahr zuvor zur Verfügung stehen. Nach einer Umfrage der “Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin” (DGIIN) im Jahr 2021 wollen sogar mehr als 30% der nichtärztlichen Mitarbeitenden auf Intensivstationen, Notaufnahmen und Rettungsdienst ihren Beruf innerhalb der nächsten 12 Monate verlassen!

 

Digitale Werkzeuge essentieller Bestandteil strategischer Initiativen

Für Führungskräfte und HR-Verantwortliche werden Mitarbeiterzufriedenheit und Mitarbeiterbindung im neuen Jahr von noch größerer Bedeutung sein. Nur so können Unternehmen im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte bestehen und damit Innovations- und Handlungsfähigkeit sicherstellen. Digitale Tools zur Kommunikation und Kollaboration wie die Work-Tech SaaS-Lösung von Vote2Work sind dabei i.d.R. unverzichtbar für das Umsetzen von strategischen Initiativen in die betriebliche Praxis.

Das sieht auch der bekannte HR-Berater Josh Bersin so. In seinem neuen Bericht „Deskless Workers – The Big Reset Playbook“ beschreibt er zunächst einmal mehr, dass Deskless Worker von vielen Innovationen rund um die Flexibilisierung von Arbeit in den vergangenen Jahren weitgehend abgeschnitten waren, während diese Gruppe andererseits mit weltweit ca. 75% bis 80% die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten darstellt.

Bersin beschreibt anschaulich, wie sich Bedürfnisse und Anforderungen von Deskless Workern und schreibtischgebundenen Angestellten an ihr Arbeitsumfeld unterscheiden und wie sich Unternehmen in ihren Initiativen zur Verbesserung von Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung an sieben Themenblöcken entlang orientieren können, die maßgeblich für das Arbeitserlebnis („Employee Experience“) von Deskless Workern sind.

Josh Bersin 7 Cricital Cs of Deskless Work

Quelle: „The Seven Critical Cs of Deskless Work“, The Josh Bersin Company, 2021

Während bereits hier Werkzeuge für die Kommunikation und Kollaboration als wichtiger Baustein identifiziert werden, geht das ebenfalls im Report vorgestellte Employee Experience Framework noch einen Schritt weiter. Digitale Lösungen sind demnach gar Grundlage und verbindendes Element, mittels welchen strategische Initiativen umgesetzt werden.

 

Download Strategiepapier „Deskless Workers – The Big Reset Playbook“

Das 29-seitige Strategiepapier „Deskless Workers – The Big Reset Playbook“ können Sie auf der Josh Bersin Webseite als PDF in englischer Sprache herunterladen: Zum PDF-Download

Medizinmesse: MEDICA | 15. – 18. November 2021 | Düsseldorf

Medizinmesse: MEDICA | 15. – 18. November 2021 | Düsseldorf

Wer in Sachen Gesundheitsbranche und Medizintechnik am Puls der Zeit sein möchte, für den führt an Medica kein Weg vorbei. Die weltweit führende Veranstaltung im Medizintechnik-Sektor bietet spannende Einblicke in neue Technologien und Entwicklungen in unterschiedlichen Bereichen des Gesundheitssektors.

Im vergangenen Jahr konnte die Veranstaltung pandemiebedingt ausschließlich als digitales Format durchgeführt wurde.  In diesem Jahr kann die Veranstaltung nun wieder als „richtige“ Messe und Konferenz in der Messe Düsseldorf vom 15. bis 18. November stattfinden.

Die SaaS-Lösung von Vote2Work für die flexible Personaleinsatzplanung ist für den Gesundheitssektor besonders relevant, denn der digitale Wandel hat auch die Gesundheitswirtschaft erreicht. Im Rahmen eines Innovationsprojektes, das von der Europäischen Union aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und dem Land Mecklenburg-Vorpommern kofinanziert wird, soll ein Beispiel erarbeitet werden, das in der Gesundheitswirtschaft als Leuchtturm für gute Arbeit, fairen Umgang mit Mitarbeitern und Steigerung der Personaleffizienz bei Fachkräftemangel durch Digitalisierung dienen kann.

Und so freuen wir uns sehr, zusammen mit der Gesellschaft für Wirtschafts- und Technologieförderung der Hansestadt Rostock in diesem Jahr auf einem gemeinsamen Stand (Halle 15 / G22) auf der Medica vertreten zu sein und unser Produkt den Messebesuchern vorstellen zu dürfen. Vote2Work gibt es dabei auf der Medica sprichwörtlich zum Anfassen: Wir haben unser 1,50 Meter großes XXL-Smartphone im Gepäck und zeigen, wie einfach die Personaleinsatzplanung in Medizin und Pflege heute sein kann.

 

Jetzt Termin vereinbaren und kostenlose Tageskarte sichern

Lassen Sie uns nachfolgend einfach eine Anfrage zur Terminvereinbarung auf der Medica zukommen. Sehr gerne möchten wir Ihre Herausforderungen in der Personaleinsatzplanung kennenlernen und aufzeigen, wie Sie diese mit Vote2Work flexibel adressieren können.

Einer begrenzten Zahl an Gesprächspartnern dürfen wir „first come, first served“ kostenfreie Tageskarten zur Verfügung stellen (gültig für den Eintritt an jeweils einem Messetag). Am besten daher keine Zeit verlieren und jetzt direkt einen Termin mit Vote2Work auf der Medica 2021 in Düsseldorf vereinbaren!

Jetzt Termin mit Vote2Work auf der Medica vereinbaren.
Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Ansprechpartner:
Katrin Pape

+49 381 202612-11

Arbeitszeitforum: 30. Juni 2021 | 14:00 Uhr – 16:30 Uhr

Arbeitszeitforum: 30. Juni 2021 | 14:00 Uhr – 16:30 Uhr

Die Referentinnen Dr. Christine Watrinet, Geschäftsführerin der ars serendi GmbH mit Schwerpunkt „Strategisches Personalmanagement“ und Katrin Pape, Founder & CEO der Vote2Work GmbH geben im Rahmen des Arbeitszeitforums einen Impuls wie Unternehmen Flexibilitätskorridore bei der Schicht- und Personaleinsatzplanung schaffen und mit digitalen Instrumenten das Potenzial managen und ausschöpfen können.

 

Schichtmodelle mit flexiblen Anteilen
– oder auch „ungeliebte“ Einbringschichten virtuos planen

30.06.2021 | 14:00 bis 16:30 Uhr | Online-Veranstaltung

 Anhand eines aktuellen Projekts zeigen wir wie Schichtmodelle mit Einbringschichten erfolgreich gesteuert werden können – ganz einfach mit Excel. Außerdem stellen wir Ihnen das Tool „Vote2Workvor, mit dem ebendiese Einbringschichten partizipativ mit den Mitarbeitenden, ähnlich wie auf einer Marktplattform, interaktiv geplant werden können.

Die Veranstaltung ist als „Online-Event“ geplant. Nach Anmeldung erhalten Sie eine Termineinladung für ein Microsoft Teams-Meeting. Auch wenn Sie Microsoft Teams nicht installiert haben, können Sie am Meeting über Ihren Browser teilnehmen.

Zielgruppe:

Die Veranstaltung richtet sich an Geschäftsführer, Personalleiter und alle Führungskräfte, die sich aktiv mit der Arbeitszeitgestaltung und Personaleinsatzplanung im Unternehmen befassen sowei alle am Thema Interessierte.

 

Melden Sie sich jetzt an und seien Sie dabei.
Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Ansprechpartner:
Katrin Pape

+49 381 202612-11

Interview mit Stephan Grabmeier: Wie Corona die (moderne) Arbeitswelt langfristig verändert

Interview mit Stephan Grabmeier: Wie Corona die (moderne) Arbeitswelt langfristig verändert

Stephan Grabmeier ist ein bekannter Vordenker für Innovation, New Work und enkelfähigem Wirtschaften. Er ist Geschäftsführer Consulting am Zukunftsinstitut – einem führenden europäischen Think Tank für Trends und gesellschaftlichen Wandel in Europa. Als Entwicklungspartner der Next Generation of Business begleiten er und sein Team Unternehmen in der Antwort und bei Lösungen von Zukunftsfragen. Sein aktuelles Buch „Future Business Kompass“ ist eine Pflichtlektüre für alle Game Changer. 

Wir konnten ihn für ein Interview zur aktuellen Corona-bedingten Wirtschaftslage gewinnen. Erfahren Sie welche Fähigkeiten Unternehmen seiner Meinung nach brauchen, um diese Krise zu überstehen und wie die Arbeitswelt Post Corona aussehen wird.

Vote2Work (V2W): Die letzten Monate haben die Wirtschaft durchgeschüttelt und viele Unternehmen vor große, gar bedrohliche Herausforderungen gestellt. Wie erleben Sie die Corona-Krise? Welche Stimmung zeichnet sich unter den von Ihnen begleiteten Unternehmen ab?

Stephan Grabmeier: Wir sind mittlerweile im zweiten Lockdown, wenngleich etwas leichter als im Frühjahr und haben eine gewisse Souveränität im Umgang mit dieser Situation innerhalb des Arbeitsumfeldes entwickelt. Die Stimmung ist dennoch nicht homogen.

„In Krisensituationen gibt es grundsätzlich drei Szenarien. Die Flucht, den Tod und den Kampf.“

Mit der Flucht ist die Rückwärtsbewegung ins „alte Spiel“ gemeint. Statt sich weiterzuentwickeln, wird an bekannten Mustern und alten Regeln festgehalten. Die „Nostalgiker“ versuchen das, was sie hatten, zu replizieren. Diese Strategie wird jedoch nicht aufgehen. Denn wenn Systeme gebrochen wurden, können sie nicht mehr in den gleichen Zustand zurückgeführt werden. Was wir auch häufig erleben, sind Organisationen, die abwarten und die Situationen erst einmal eine Weile beobachten, jedoch noch nicht aktiv handeln.

Der „Kampf“ meint jene, die den Mut zusammennehmen und den kreativen Ausbruch aus der Krise proaktiv angehen. Wir sehen, dass sich aktuell viele Unternehmen an der Gabelung befinden, dort wo sie entscheiden müssen, ob sie sich zurück entwickeln und an Altbewährtem festhalten oder aber sich nach vorne und damit kreativ weiterentwickeln wollen.

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V2W: Welche Veränderungen hinsichtlich der Arbeitswelt haben Sie in den letzten Monaten beobachtet?

Stephan Grabmeier: Den Begriff New Work nutze ich seit 1998, nach dem ersten Kennenlernen von Fritjof Bergman. Zu dieser Zeit war der Begriff noch alles andere als Mainstream. Wir hatten uns damals unterhalten, die Idee der „Zentren der neuen Arbeit“ die Fritjof in USA aufgebaut hat auch in Deutschland zu etablieren. Um die Jahrtausendwende kam die Digitalisierung dazu und belebte den Trend verstärkt. Der Fokus jedoch, den die von Covid-19 verursachte Situation auf das Thema New Work gesetzt hat, ist unglaublich. Es wurde ein enormer Schritt zum dezentralen Arbeiten beziehungsweise Arbeiten aus dem Home-Office gemacht. Auch die Klarheit über die Bedeutung systemrelevanter Berufe und somit resilienter Systeme wurde geschärft.

V2W: Sie sind oft in Unternehmen unterwegs, welche durch ein hohes Maß an Wissensarbeitern geprägt sind. Was sind Ihrer Erfahrung nach die wichtigsten Bausteine für modernes Arbeiten in diesen Betrieben und was kann man davon auf die Industrie adaptieren?

Stephan Grabmeier:

„Meine Erfahrungen zeigen: Alles was wir uns vorstellen können, können wir erreichen. Das ist Zukunft.“

Unser Kulturverständnis und unsere Einstellung zu Arbeit und digitalem Arbeiten sind ausschlaggebend. Die nötige Hardware und Technologien sind schon lange vorhanden und werden vielerorts nun auch effektiver eingesetzt. Deshalb bin ich überzeugt, dass sich vieles beschleunigt adaptieren lässt, wenn man den Mut und die Kreativität hat, die Dinge auszuprobieren.

V2W: Sie erklären auf ihrer Website das BANI Framework, welches für eine brüchige, ängstliche, nichtlineare und sogar unbegreifliche Welt steht. Dabei sind gerade die Begriffe der Brüchigkeit und Nichtlinearität aktuell spannend. Was glauben Sie: Welche Systeme werden durch die Corona Krise zusammenfallen und was braucht es für ein Unternehmen, um in diesem Kontext trotz der Unvorhersehbarkeit bestehen zu können?

Stephan Grabmeier: Bei dem BANI Modell geht es darum, dass uns Sprache eine Orientierung gibt. Das Akronym BANI hat aus meiner Sicht das Akronym VUKA, was aus dem kalten Krieg, Ende der 1980er Jahre stammt, abgelöst. BANI beschreibt u.a. das Thema der Brüchigkeit sehr eindeutig und genau das haben wir zu Corona erlebt. Corona hat Systeme und Supply-Chains gebrochen. Brüchige Systeme sehen wir vor allem in kosteneffizienten Umfeldern, in Monokulturen zum Beispiel der Agrar- oder Energieindustrie.

Dort beobachten wir: bricht ein kleines Glied in der Kette, brechen teilweise gesamte globale Systeme zusammen. Wir sehen wie der Trend der Glokalisierung, also die Globalisierung und Lokaliserung eine neue Bedeutung bekommen hat. Produktionsstrategien werden sich verändern müssen, wieder hin zu mehr lokalen Märkten, um die Brüchigkeit der Systeme zu umgehen.

Gleiches beobachten wir im Gesundheitssystem, auch dort können wir uns keine Brüchigkeiten erlauben.

Deshalb ist es so wichtig, Unternehmen resilient aufzustellen und sie widerstandfähig zu machen. Genau das hat uns Covid-19 gezeigt – kaum stand die Wirtschaft für zwei Monate still, mussten viele Teile davon gerettet werden. Wie kann das sein?

Diese waren bisher ausschließlich auf Wachstum ausgerichtet, nicht jedoch darauf auch Krisen zu überstehen. Die aktuelle Brüchigkeit lehrt uns eines Besseren. Denn resiliente Systeme sind effektive Systeme. Die 2020er Jahre werden das Jahrzehnt der Resilienz.

Das Thema der Nichtlinearität begleitet uns bereits lange. Die Ökonomik der letzten 250 Jahre war durch lineare Ursache-Wirkungsprinzipien geprägt und nicht durch den Umgang mit Komplexität. Nicht zuletzt zeigen uns die Ereignisse im Jahr 2020 jedoch, dass wir dringend lernen müssen, mit Komplexität umzugehen, Kontexte zu verstehen und systemisch zu denken. Denn Systeme sind immer dynamisch und geprägt von Wechselbeziehungen und damit eben nicht linear vorhersehbar

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V2W: Millionen von Desk Workern arbeiten während des Lock-Downs im Home-Office. In der Industrie ist dies für die meisten Arbeitnehmer keine Option, da sonst Produktionen zum Stillstand kämen und auch das Gesundheitswesen funktioniert nur mit Präsenzpflicht. Vote2Work bietet ein Tool für den flexiblen Personaleinsatz, um auf schwankende und kurzfristige Bedarfe zu reagieren und dabei nicht nur auf ad hoc Änderungen einzugehen, sondern auch die Wünsche der Mitarbeiter zu berücksichtigen. Was denken Sie, wie werden sich Arbeitsstrukturen und -zeiten zukünftig in den Unternehmen ändern, welche auf die Anwesenheit der Mitarbeiter angewiesen sind?

Stephan Grabmeier: Tatsächlich ist es ja so, dass der größte Teil der Arbeitnehmer nicht im Home-Office arbeitet, auch wenn dieser Teil häufig einen stärkeren medialen Fokus genießt.

Meiner Erfahrung nach ist das produzierende Gewerbe allgemein besser für Krisen aufgestellt, als viele andere, da sie bereits wissen, wie sie Teams aufteilen oder auch die Produktion umstellen müssen, um den Betrieb aufrecht erhalten zu können. Es gibt keine professionelle Produktion, die keine Krisenskills entwickelt hat.

Ich denke jedoch, dass die Schutzmechanismen für die Menschen, die in solchen Branchen arbeiten noch weiter verbessert werden können bzw. dies Corona in vielen Teilen bewirkt hat.

Natürlich wird dort Home-Office nur schwer umzusetzen sein, jedoch gibt es andere zeitgemäße Elemente, wie beispielsweise flexible Personaleinsatzplanung oder digitale Touchpoints die wiederum auch im produzierenden Gewerbe sehr gut umzusetzen sind.

V2W: Wie sieht Ihr Wunschbild für die Post-Corona Arbeitswelt aus?

Stephan Grabmeier Corona Interview

Stephan Grabmeier: Mein Wunschbild und das betrifft nicht nur die Arbeits- sondern die gesamte Wirtschaftswelt ist, dass viele verstanden haben werden, dass wir nicht mehr so weiter machen können wie bisher. Am Zukunftsinstitut sprechen wir von der Next-Generation of Business und meinen damit jene Unternehmer und Unternehmerinnen, die ein anderes Verständnis von Wirtschaft haben und in sozial ökologischer und ökonomischer Balance denken. Die nicht mehr linear, sondern systemisch und in adaptiven Zyklen denken, die verstehen, dass der Planet Erde das größte System ist, welches uns umgibt und wir entsprechend dafür handeln müssen. Die Zukunft der Business Modelle sind der Treiber für Future Work und dafür die Welt wieder zu einem besseren Ort zu machen. Gelingt dies nicht werden wir sehr bald zu viele irreparable Schäden an unserem Planeten und damit ganz andere Probleme haben.

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann wäre es, dass alle Menschen und auch Unternehmen so handeln, dass sie der Umwelt und der Gesellschaft immer ein kleines bißchen mehr zurückgeben als sie ihr nehmen – weg vom Ego hin zu Wir.

Empfehlung: Weitere spannende Ausführungen zum Thema Post-Corona-Wirtschaft können Sie im aktuellen Whitepaper „Unternehmertum nach Corona“ lesen, welches Stephan Grabmeier gemeinsam mit dem Institut der Zukunft herausgebracht hat.